von Peter Reitmaier
Stadtrat Gunzenhausen
Offener Brief zur Verkehrsüberwachung in Gunzenhausen
An
Zweckverband Kommunale Verkehrssicherheit Oberpfalz
Sehr geehrte Damen und Herren,
die in den vergangenen Tagen im Altmühl-Boten erschienenen Berichte, Leserbriefe sowie zahlreiche Rückmeldungen aus der Bürgerschaft – die uns als Grüne Stadtratsfraktion Gunzenhausen sowohl digital als auch per Post erreicht haben – geben Anlass, uns mit diesem offenen Brief an Sie zu wenden.
Zunächst ist uns wichtig klarzustellen: Weder wir noch die Bürgerinnen und Bürger, die sich an die Öffentlichkeit gewandt haben, stellen die geltende Rechtslage oder die grundsätzliche Notwendigkeit von Verkehrsüberwachung infrage. Ordnung und Verkehrssicherheit sind wichtige Aufgaben und verdienen Respekt.
Gleichzeitig zeigen die geschilderten Fälle ein wiederkehrendes Muster. Ob Eltern mit Kindern, ältere oder gehbehinderte Menschen, Paketzusteller oder der Lieferverkehr für die Innenstadt – viele Betroffene empfinden das Vorgehen einzelner Kontrollen als unverhältnismäßig, wenig bürgernah und ohne erkennbares Fingerspitzengefühl. Dabei geht es ausdrücklich nicht um Sonderrechte, sondern um die Frage, wie Regeln im Alltag angewendet und vermittelt werden.
In Ihrer Stellungnahme im Altmühl-Boten verweisen Sie auf den Gleichbehandlungsgrundsatz des Grundgesetzes. Dieser ist zweifellos ein hohes Gut. Gleichbehandlung bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, jede Situation losgelöst vom konkreten Einzelfall zu betrachten. Gerade im kommunalen Kontext erwarten viele Bürgerinnen und Bürger, dass Rechtssicherheit und Verhältnismäßigkeit gemeinsam gedacht werden.
Besonders sensibel ist die Wahrnehmung, wenn Verkehrsüberwachung als rein formale Regelanwendung ohne jede Kulanz erlebt wird und zugleich der Eindruck entsteht, dass Einnahmen im Vordergrund stehen. Dies widerspricht dem in Gunzenhausen klar formulierten Grundsatz, dass Verkehrsüberwachung der Sicherheit und Ordnung dient und nicht der Generierung von Mehreinnahmen.
Die Zusammenarbeit zwischen der Stadt Gunzenhausen und dem Zweckverband Kommunale Verkehrssicherheit steht für uns nicht infrage. Gerade deshalb halten wir es für notwendig, offen darüber zu sprechen, wie Auftreten, Schwerpunktsetzung und Kommunikation der Kontrollen weiterentwickelt werden können, um Akzeptanz, Verständnis und Vertrauen in der Bevölkerung zu stärken.
Wir würden es sehr begrüßen, diesen Austausch konstruktiv fortzusetzen und gemeinsam zu prüfen, wie Verkehrsüberwachung rechtssicher, zugleich aber bürgernah, nachvollziehbar und verhältnismäßig gestaltet werden kann.
Mit freundlichen Grüßen
Grüne Stadtratsfraktion Gunzenhausen
Kommentare
Kommentar von Martin Balzer |
Sehr geehrter Herr Reitmaier,
vielen Dank, dass Sie dieses Thema mit der Parküberwachung offen aufgreifen und auch ernst nehmen. Ich war selbst einer der Leserbrief-Absender im AB und wir erleben das als Kleinunternehmen in der Innenstadt regelmäßig, dass auch unsere Kunden für minimale Vergehen (z.B. mit 20 cm Reifen auf dem Bordstein stehen) gleich geahndet werden.
Klar ist für uns auch, dass Verstöße bestraft gehören, und wir auch wenig Verständnis gegen Verkehrsrüpel und Rücksichtslosigkeit haben; deswegen ist Überwachung unerlässlich.
Aber wenn offensichtlich gehbehinderte Senioren vor der Apotheke, Mütter bei der Kita-Ablieferung, Baulieferanten an Baustellen oder Getränkelieferanten vor Gaststätten für 2 Minuten Parkdauer dermaßen gegängelt werden, hat das nichts mehr mit Maß & Mitte zu tun. Leider berichten uns immer mehr Kunden (auch verständlicherweise), dass sie zunehmend die Innenstadt zum schnellen Einkaufen meiden.
Ich arbeite jetzt schon über 28 Jahre in der gleichen Firma, habe aber noch nie erlebt, dass (die ehemalige stadteigene) Überwachung oder Polizei solche "Kleinst"Vergehen auch nur ermahnend beanstandet hat...
In Nürnberg / Fürth / Erlangen z.B. sind die stadteigenen Ordnungsämter von der Stadtleitung sogar angehalten, Gehwegparken (solange keine Behinderung / Gefahr entsteht), zu tolerieren, um den Verkehrsfluss nicht zu behindern.
Dagegen erklärt sich mir wiederum nicht, dass z.B. in der Schrittgeschwinditkeitszone am Marktplatz so gut wie nie Geschwindigkeitskontrollen statt finden. Wenn ich da im mittleren Cafe (Paradiso) mein Eis genieße, erlebe ich häufer, dass Autofahrer da mit hohem, teils Landstraßen-Tempo durchrauschen...
Das kann nicht im Sinne unserer Stadt sein. Ich hoffe, gerade im Interesse der Stadt, des Einzelhandels und des menschlichen Miteinanders, dass da mit dem ZV KVS AOpf noch nachgebessert werden kann.
Vielen Dank nochmals für das Aufgreifen des Themas und Ihnen alles Gute.
Beste Grüße aus der Bühringerstraße,
Martin Balzer,
Büroleitung Reisebüro Hauck
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